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Vorwort zum Programmheft der Bhak 2013

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Die Regisseurin über das Stück, die Inszenierung,
den sozialkritischen Aspekt und ihre ganz persönliche Sichtweise

 

„Sie glauben also, dass es Gott nicht gibt?“
„Im Gegenteil, höchstwahrscheinlich gibt es ihn.“
„Also warum…..?“
Der Aufsichtsrat winkte ab. „Er offenbart sich eben verschiedenen Menschen auf verschiedene Weise. In vormodernen Zeiten offenbarte er sich als das Wesen, das in diesen Büchern beschrieben wird. Heute……“
„Wie offenbart er sich heute?“, fragte der Wilde.
„Durch Abwesenheit, als wäre er gar nicht da.“

(Aldous Huxley, Schöne neue Welt;1953)

 

In unserem Stück nehmen wir den Text der Heiligen Schrift von der sehr heiteren Seite.
Es handelt sich auch lediglich um Zitate daraus und nicht im Entferntesten um die original überlieferten Geschichten.
Ein neuer Blick auf Altüberliefertes und der Mut, ehrfürchtig bewahrtes- genauso wie sich selbst- nicht all zu ernst zu nehmen, sind wichtige Elemente meiner Inszenierung.
Doch ein noch wesentlicherer Teil soll, über das Lachen und den Humor hinaus, beachtet sein: der sozialkritische Aspekt.
Die zum Teil übertriebene Komik meiner Inszenierung gilt der Kritik an übermäßigem Konsum oberflächlicher und oftmals sinnentleerter Ablenkungen unserer modernen, also „schönen neuen Welt“.
Die Auseinandersetzung mit einem Thema, einer Sache oder einem anderen Menschen muss heute „easy“ und „gechilled“, „cool“ und „locker“ sein. Mit dem Anspruch, dass alles immer Spaß machen muss, leichte Kost und leicht konsumierbar sein soll.
So wie dieses Stück.
Doch während wir alles und uns selbst gegenseitig „verbrauchen“ vergessen wir auf eine elementare, treibende Kraft in unserem Leben: den Glauben.
In einer modernen Welt, in der alles wissenschaftlich erklärt, empirisch messbar und digital erfahrbar ist, gibt es anscheinend keine Notwendigkeit mehr für:

Den Glauben an eine Sache.
Den Glauben aneinander.
Den Glauben an uns selbst.

Oder wie lässt es sich erklären, dass so viele von uns das Gefühl haben, in eine Zukunft ohne Perspektive hinein zu leben.„Keine Ahnung, was ich mal machen will……später.“

Die Bibel ist meiner Meinung nach eine Sammlung von Erzählungen. In Ihr wird geschildert wie sich Menschen gegen- und miteinander verhalten haben und welche Konsequenzen so ein Verhalten haben kann.

Die Texte der Bibel beschreiben, dass, wenn wir wirklich an eine Sache glauben so wie Mose oder Noah, es eine Kraft in unserem Leben gibt, die uns unser Ziel erreichen lässt.
Dass, wenn wir an uns selbst glauben, so wie König Salomo oder David, wir eine Lösung für scheinbar unüberwindbare Hindernisse finden können.
Und dass, wenn wir aneinander glauben, so wie Josef und Maria oder Jesus und seine Jünger, sich die Erschwernisse des Lebens (er-)tragen lassen.

In der christlichen Lehre, von der die Bibel handelt, lebt Gott in jedem von uns- egal, welchen Glauben jemand hat.
Und so glaube ich, dass, wenn wir lernen aneinander zu glauben, wenn wir lernen, die Erschwernisse des Lebens gemeinsam zu tragen, dass wir dann auch an „Gott“ glauben; egal, wie wir „Gott“ in unserer jeweiligen Religion nennen.

(Eva-Christina Binder, 2013)