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Der Weibsteufel

Kritik der Wiener Zeitung von Lona Chernel von Samstag, 25. Februar 2006

Allesamt Opfer und Täter

In Karl Schönherrs Drama "Der Weibsteufel" gibt es drei Personen – allesamt Opfer und Täter. Sie benutzen, missbrauchen einander, werden regiert von dem Streben nach Geld, Macht und Ansehen.

Angelica Schütz ging das Wagnis ein, das bei vielen als unspielbar geltende Stück im Theater center Forum zu inszenieren. Sie verzichtete auf alles Heimatflair, stellte die Figuren buchstäblich in den (von Erwin Bail eindrucksvoll gestalteten) Raum.

Raum ein Stück bietet so viele legitime Interpretationsmöglichkeiten: der Regisseur kann sozusagen aussuchen, wer Opfer, wer vorrangig Täter ist. Kleinste Gewichtsverlagerungen verändern alles. Schütz ist hier einen sehr ehrlichen Weg gegangen, lässt die Personen sich entwickeln, das Geschehen aus der Situation entstehen. Sie wertet nicht, schönt nicht, verteufelt nicht: sie zeigt einfach.

Die Entdeckung des Abends ist Eva-Christina Binder, eine junge Schauspielerin voll Kraft und Leidenschaft, gepaart mit Sensibilität. Daniel Soran wächst darstellerisch als naiver Kraftlackel von Szene zu Szene. Das vielschichtige Bild eines von der Natur benachteiligten bietet Erwin Leder. Packend.

Buch: Karl Schönherr, 1915. Regie: Angelica Schütz. Es spielen: Eva-Christina Binder, Erwin Leder, Daniel Soran. Theater Center Forum bis 11. März, Di.-Sa.

Kritik von www.events.at von Franco Schedl von Samstag, 25. Februar 2006

Willkommen in der Hölle! Der Schauplatz des künftigen Verbrechens ist in feuriges Rot getaucht, sobald wir ihn das erste Mal erblicken: die kleine Bühne gleicht einem Guckkasten und die erzählte Geschichte könnte eine Moritat über die seelischen Niederungen von Hochgebirgsbewohnern sein. Angelica Schütz zeigt in ihrer Inszenierung, welch dramatisches Potential ein Stück bereithält, das z.B. in „Reclams Schauspielführer“ – zumindest in der 5. Auflage von 1958 – süffisant als „tragischer Watschentanz“ bezeichnet wird. Mag Schönherrs Bühnenwerk auch nicht ganz frei von Pseudorustikalität und Effekthascherei sein, in den richtigen Händen entfaltet es, nach einigen klug angebrachten Streichungen, eine beeindruckende Wirkung. Von Blut und Boden keine Spur – aber alle drei Darsteller sind bodenständige Vollblutschauspieler, denen zugleich der ländliche Zungenschlag problemlos von den Lippen geht (noch jedes einzelne der vielen „Nit“ klingt ungekünstelt). Erwin Leder haucht mit bewundernswertem Mut zur Selbsterniedrigung dem Krepierl und Klappermandl Leben ein; Daniel Soran lässt als muskelstrotzender Gebirgsjäger den Konflikt zwischen Pflichtbewusstsein (sprich: Karrieregeilheit) und Libido anschaulich werden; und Eva-Christina Binder wird hier vom Stigma des triebhaft-dämonischen Weibes zwar befreit, ist aber dennoch weibsteuflisch gut.

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